Wildbienen

Pflanzen brauchen zur Bestäubung und somit zur Fortpflanzung Bienen, wobei die wild lebenden Solitärbienen eine wichtige Aufgabe übernehmen. Die Gewächse brauchen den Wind oder mobile Bestäuber, damit der männliche Pollen zu den passenden weiblichen  Blüten gelangen kann. Aber die Wildbienen machen das nicht, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil sie mit süßem Nektar und mit Pollen für ihre Arbeit entlohnt werden. Die Landwirtschaft braucht genau wie die wilde Natur diese bewährte Partnerschaft zwischen Bienen und Pflanzen um einen guten Ertrag zu erzielen.

Lange Zeit standen die weniger beachteten Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen, Motten oder Käfer im Schatten der Honigbienen. Doch seit einiger Zeit interessieren sich Fachleute, aber auch Laien vermehrt dafür, wie wild lebende Insekten zur Bestäubung von Pflanzen ihren Beitrag leisten. Wildbienen sind oft effektivere Bestäuber als ihre domestizierten Verwandten. Viele Arten sind auf bestimmte Pflanzenarten als Nahrungsquelle spezialisiert. Durch ihren Pelz sind die Mauerbienen beispielsweise bessere Bestäuber als Honigbienen, da sehr viel Pollen in ihrer Behaarung am Bauch hängen bleibt. Beim Landen auf einer Blüte bleiben viel mehr Pollen am klebrigen Stempel der Blüte hängen als bei Honigbienen. Diese feuchten den Pollen an, und sammeln ihn in Körbchen an den Hinterbeinen. Dieses Breigemisch wird nicht so optimal an die Stempel der Blüten freigegeben. Mauerbienen sind also höchst effektive Obstbaumbestäuber. Weitere Informationen zu Mauerbienen können Sie auf der Seite der Ortsgruppe Willich finden.

Trotz des gestiegenen Interesses an Wildbienen und ihrer großen Bedeutung liegt der öffentliche Fokus leider noch immer sehr auf der domestizierten Honigbiene. Dabei ist deren Überleben durch die Betreuung durch den Menschen und die Imkerei doch verhältnismäßig gesichert, während jede zweite Wildbienenart bedroht ist und auf der roten Liste der gefährdeten Arten steht. Der Aufruf „Schützt die Bienen“ geht somit bei den meisten Menschen in die falsche Richtung. In unserer momentan so blütenarmen Landschaft stehen Honigbienen oft in starker Konkurrenz zu den solitär lebenden Wildbienen und schaden dem gesamten Ökosystem so mehr als sie nutzen.

Was kann man tun

Nisthilfe für Wildbienen  Die Wildbienen zählen etwa 570 heimische Vertreter, von welchen einige häufiger vorkommen, einige aber auch schon sehr selten sind. Manche Wildbienen- und Wespenarten leben natürlicherweise in Löchern in Holz (verlassene Käferfraßgänge). Diesen Arten kann man leicht Nisthilfen bauen und anbieten. Die Arten, die solche Nisthilfen annehmen, gehören jedoch fast immer zu den häufigeren Wildbienenarten. Dennoch sind Wildbienennisthilfen für die Bestäubungsleistung im eigenen Garten durchaus zuträglich und erlauben das Beobachten der faszinierenden Tiere.

Bis zu 70% der Wildbienenarten Deutschlands nisten in selbst gegrabenen Bruthöhlen in meist sandigem Boden, oft an Steilhängen. Wo diese Lebensräume nicht vorliegen, können solche Arten nicht vorkommen und daher nur schwer gefördert werden. Das Anlegen einer mageren Wiese oder eines Sandbeets kann sie jedoch unterstützen. Dabei reichen schon kleinere Flächen von 1 m² oder Fugen aus Sand. Wichtig ist, dass der Sand nicht gewaschen ist, ansonsten empfiehlt es sich, verschiedene Arten von Sand, die sich zum Beispiel im Lehmgehalt unterscheiden, einmal auszuprobieren.

Kurze Bauanleitung für Nisthilfen

Man braucht einen Rahmen der Rund, quadratisch oder rechteckig ist. Diesen Rahmen kann man mit Bambus, Schilfhalmen oder Rundhölzern, in die man Löcher bohrt, bestücken. Die Länge dieser Niströhrchen sollte 8 – 10 cm sein. Als Rahmen eignet sich auch eine leere Konservendose, in die man diese Niströhrchen stramm hineinpresst. Die Zwischenräume kann man mit dünnen runden Holzstückchen ausfüllen, damit sie stramm in dem vorhandenen Rahmen befestigt sind und nicht herausfallen, oder von Vögeln herausgezogen werden können.

Wenn sie irgendwo ein Brett oder einen Holzblock aus Hartholz rum liegen haben, können Sie in diesen unterschiedliche Löcher bohren. Die Faustregel dabei ist: Durchmesser des Bohrers mal zehn ergibt die Bohrtiefe.

Wildbienennisthilfen sollten idealerweise in Richtung Südosten so aufgehängt werden, dass sie das ganze Jahr über frei anzufliegen sind und nicht im Wind baumeln. Wenn möglich sollten sie durch eine Überdachung vor direktem Regen geschützt sein.

Im Supermarkt oder Baumarkt erwerbbare Nisthilfen stecken leider oft voller Fehler und unnützem Füllmaterial. Daher finden Sie zusätzliche Tipps und häufige, leicht zu vermeidende Fehler auf unserer Schautafel.

Große Komplexe von Nisthilfen sind leider nach wenigen Jahren schon keine gute Schutzmaßnahme mehr, da sich durch die große Nähe der vielen einzelnen Bruthöhlen Parasiten schnell und effizient ausbreiten können. Es empfiehlt sich eher, mehrere kleinere Nisthilfen an verschiedenen Stellen im Garten anzubringen

Weitere Förderungsmöglichkeiten

Besonders wichtig ist, dass die verschiedenen Bienenarten ausreichend Nahrung finden. Dabei können Sie helfen, indem Sie möglichst regional einheimische Pflanzen in Ihrem Garten fördern. Wichtig ist auch, dass über die gesamte Vegetationsperiode, also von Februar bis Oktober/November, dauerhafte blühende Pflanzen vorhanden sind, von denen die Wildbienen sich ernähren können. Fördern kann man Wildbienen somit auch durch Magerwiesen, Trockenmauern, bunte Raine und abwechslungsreiche Landschaften. Heimische Obstbäume und Sträucher, Weiden, Wildrosen, Taubnessel, Lavendel, Ysop, Melisse, Dost, Minze und viele andere Blühpflanzen, die in jedem Garten Platz finden, sind ein guter erster Schritt.

Im Handel erhältliche Samentütchen für „Bienenweiden“ enthalten leider häufig nicht einheimische Pflanzen und sind auf Dauer nicht nachhaltig. Weitere Informationen zu dieser Problematik finden Sie auch auf der Seite der Ortsgruppe Willich.

Die großen Veränderungen müssen jedoch vor allem aus der Landwirtschaft kommen. Versuchen Sie daher, größere Projekte von Biologischen Stationen, Kommunen und Naturschutzverbänden zu unterstützen und Wert auf landwirtschaftliche Produkte zu legen, die wildbienenfreundlich produziert wurden. Das eindrücklichste Zeichen an Wirtschaft und Politik können wir als Verbraucher oft durch unseren Konsum setzen.

Text von Alina Martin und Harry Abraham